Über lose Ideenfäden, Rückenwind, Regenbögen und diese neue Kolumne

Seit Frühjahr 2019 schreibt Elvira Schmidt von Zeit zu Zeit, eine Kolumne:

Gedanken und Beobachtungen über Kunst, Kreativität und das Leben.

Viel Freude beim Lesen !

Was treibt den „kreativen Menschen“, wenn man ihn so bezeichnen will, eigentlich an?

Während ich das schreibe, habe ich dasBild eines Wollknäuels vor meinem Auge, aus dem sich ein Faden gelöst hat. Dieses Fadenende liegt regungslos am Boden.

Meint man.

Meinen die meisten.


Der Faden steht sinnbildlich für eine Idee. Und ... für den „Kreativen“ ist er nicht regungslos.

Nein, wahrhaftig nicht.

Der Kreative sieht bereits Facetten aller möglichen Bewegungs- oder Verarbeitungs-möglichkeiten darin.

Das Fadenende kann:

baumeln, zucken, am Boden schleifen, durch die Luft fliegen, sich in Wellen

legen, in Wasser getaucht eine Spur auf Fliesen etc. hinterlassen...

Man kann ihn aufkleben, um damit zu drucken, ihn zu einem Gewebe verarbeiten ...

Oder man stellt einfach etwas Verrücktes mit ihm an.


Manchmal steht man auch einfach irgendwo herum und plötzlich wird langsam, ganz langsam, wie ein Spinnwebfaden, ein Schnurende Richtung Nase heruntergelassen.

Der Kreative sieht das Schnurende sich der Nase nähern, diese fast berühren ... und schnappt danach mit seiner Hand. Wurde das Schnurende gefangen, ist eine sich steigernde innere Aufregung, einhergehend mit Gedankensprunghaftigkeit charakteristisch.


Neulich waren gleich zwei Kreative unterwegs auf einem Sonntagsspaziergang.

Mein Mann Mathias Schneider, seines Zeichens Holzbildhauer und ich Elvira Schmidt.

Wer uns noch nicht kennt:

Schon vor unserem Kennenlernen waren wir beide künstlerisch aktiv. Mathias mit seinen

Skulpturen aus regionalen Hölzern und ich mit meiner Malerei auf Holz(-fundstücken).

Weil nicht nur wir uns gut ergänzten, fand auch unsere Kunst zueinander und wir starteten 2016 unsere gemeinsame Ausstellungsreihe Expedition Hoiz.


Neulich also begaben wir uns vor unsere Tür und wurden fast umgeblasen vom Sturm. Über Feldwege und Wiesen lehnten wir uns in Schräglage gegen den Wind und stapften in unser

kleines Chiemgauer Dorf, um dort Cafe zu trinken und nach Ideenfäden zu haschen.

In dem kleinen Cafe baumelten und schlierten schließlich auch wirklich allerlei Fäden durch den Raum. Wir zogen einige näher herbei, ließen davon manche wieder los und versuchten die Interessantesten zu verbinden.

Was dabei unter anderem heraus kam?


Es wird eine Kolumne geben mit Geschichten und Gedanken zu unserer

Ausstellungsreihe und der Philosophie „unserer“Expedition Hoiz.

Häufig gestellte Fragen und bisher vor allem auf Vernissagen erzählte Geschichten, vom (Holz-) Finden und von Begegnungen mit Motiven auf und im Holz.

Kunst verbindet und deshalb gibt es vielerlei Menschen und Orte, die uns besonders geprägt und bewegt haben. Bisher wenig bekannt, weil noch kaum erzählt.


Und was war denn nun auf dem Rückweg? fragt nun vielleicht der geneigte Leser.

Wir wurden unter sich zerreissenden Wolken über ansteigende Feldwege und weite gewellte

Wiesen mit immens starkem Rückenwind vehement vorwärtsgetrieben. Dunkle blau-grau-schwarz drohende Wolken setzten sich neben gleissende Himmelsstreifen und ein leichter Nieselregen setzte kurz ein.


Und dann zeigte er sich:

in leuchtenden Prismafarben an beiden Enden. Ein vollendeter Regenbogen zog eine

durchgehende Bahn. Man sagt, am Ende des Regenbogens sei ein Goldschatz zu finden.

Das Ende „unseres“ Regenbogens entsprang optisch über unserem kleinen Heimatweiler und endete vor einem Wald auf einer weiten Wiese.


Ich schwöre es war so, halte zwei Finger in die Luft und kreuze keine hinter dem Rücken.

Und ich bin mir sicher, an beiden Enden ist eine Truhe mit losen Fäden zu finden. Lauter

Ideenfäden.

Das ist unser Schatz.

Rückenwind und Regenbogen für die Ideen dieses Sonntags.

Und ... diese zu beginnende Kolumne, ist ein Fadenende, das wir herausgezogen haben.


Und Ihr?

Schaut doch mal nach losen Enden im Laufe dieser Woche und springt Ihnen ein wenig hinterher.

... und folgt weiter unserer Kolumne.

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