Über Zitate und das Finden ohne zu Suchen

Liebe Leserinnen und Leser,

ehrlich gesagt, habe ich von meiner ersten Veröffentlichung „über die losen Fäden und die

Regenbögen“ noch eine leicht belebte Gesichtsfarbe. Vor Freude!

Das vielfache Echo Eurer Worte nehme ich als Rückenwind für`s Weitererzählen.

Heute beginne ich auch mit einer Frage:

Gibt es ein Zitat, dass schon über eine längere Wegstrecke Euer Wegbegleiter ist?


Zitate sind für mich weise Freunde. Sie flüstern mir, während man durch die Berg- und Talfahrten der Alltagslandschaften steuert, immer wieder etwas in`s Ohr.

Manchmal behutsam, liebevoll und leise, manchmal aber durchaus energisch und laut. Man wird vehement gerüttelt, damit man innerhält, um zuhören zu können. Wahhaftig zuhören zu können.

Auch und gerade das, ist die Aufgabe von wirklich guten Freunden.

Auch wenn einem der Zeitpunkt und auch der Inhalt nicht immer gelegen kommt.


Eines der Zitate, die meine langjährigen Weggefährten sind, lautet

„Ich suche nicht, ich finde“ und gesagt hat es?

Genau. Picasso.

Es sagt mir:

„Du wirst etwas finden, was schon da ist. Du wirst etwas finden, weil es schon da ist.“

Das ist für mich beruhigend, wie eine warme Milch mit Honig am Abend.

Auf meinem inneren Notizzettel füge ich hinzu:

Vorausgesetzt man geht mit achtsamen Blick

durch die Welt.


Manchmal jedoch wird man auch einfach gefunden.

In diesem Fall, geht es um zwei Künstlerpfade, die sich aus fast schon entgegengesetzten

Richtungen näherten. Wie es wirklich war, verkneife ich mir jetzt mit ganzer Kraft, denn glaubt mir, dass ist eine ganz eigene Geschichte wert. (Nur soviel dazu: eine Autowerkstatt, ein Fiat Seicento, ein Esoterischer Stammtisch und ein Schloss spielten hier eine nicht unerhebliche Rolle).


Es waren also einmal zwei metaphorische Pfade. Passend zur späteren Ausstellungsreihe

„Expedition Hoiz“ liefen diese durch einen weitläufigen Wald. Es ist Frühling. Es ist Mai. Man

riecht, schmeckt und sieht, das Leben wieder erblühen in Formen und Farben, die während des Winters verblassten, wie vergilbte Fotos.

Auf dem einen Pfad, der von der linken Seite in`s Bild führt, geht ein bärtiger schwarzhaariger Mann des Weges. Er trägt eine Holzfigur auf dem Arm und hat einen Rucksack auf dem Rücken. In diesem befinden sich seine Schnitzeisen.


Auf dem anderen Pfad, stellen wir uns vor, dieser nähert sich von der rechten Seite im Bild, geht eine blonde Frau. Sie trägt ein arg mitgenommen aussehendes Stück Holz unterm Arm. Dieses ist mit Acrylfarben bemalt und mit Papier aus alten Büchern beklebt.

Beide sind in ihre Gedanken eingehüllt, als sie auf einmal etwas abrupt voreinander stehen.

Sie grüßen sich und beäugen, was der / die andere denn da mit sich herumträgt.

Beide sehen, dass es Holz ist. Damit hat die Gemeinsamkeit jedoch schon ein Ende.


Das Stück Holz des Bildhauers ist derart kunstvoll behauen, dass sich langsam eine Figur

herauszuheben beginnt. Wie sich herausstellt, stammt es aus einem heimischen Wald / Garten.

Das Holz der Malerin, ist ein Brett, das viel zu erzählen hat, denn es ist vom Lauf von

wahrscheinlich Jahrzehnten gezeichnet. Aus diesen Vergangenheitspuren und

Oberflächenstrukturen erheben sich Figuren und Landschaften, die mit Farbe und Collage

gestaltet sind. Zum Teil ist das sehr skurriles Personal.

Jeder der beiden, versucht dem anderen zu erklären, warum das Holz genau so bearbeitet wird. Wie der Beschaffungs- und der Arbeitsprozess abläuft und was das Innerste ist, das einen dazu bewegt.

Sie bemerken gar nicht, wie das Tageslicht sich langsam davonstiehlt und sie beschließen sich wieder zu sehen. Die Treffen werden häufiger und über den Austausch mit der Kunst beginnen sie mehr und mehr ihrer Zeit und damit ihres Lebens miteinander zu teilen.


Irgendwann, entsteht eine zarte Idee. Könnten man nicht mal... Wollen wir nicht mal auch

künstlerisch etwas zusammen zu machen?

Beide hatten es schon erlebt, dass man als Maler mit einem Bildhauer und umgekehrt als

Bildhauer mit einem Maler für eine Ausstellung zusammengekoppelt wird. Das kann sehr gut

klappen.... Oder auch weniger gut.

Warum also nicht, sich zusammentun und sich künstlerisch und organisatorisch ergänzen?


So, entstand die Idee sich auf eine gemeinsame Ausstellungsreise zu machen und zu zeigen,

wieviel Freude es macht mit einheimischen Hölzern und Fundstücken, die sonst verschwinden würden, künstlerisch zu arbeiten.

Mathias Schneider und ich, Elvira Schmidt haben durch das Holz eine Verbindung zueinander gefunden, aus der die gemeinsame Konzeption für unsere Ausstellungsreihe „Expedition Hoiz“entstand. Unter diesem „Dach“ kann jeder und jede von uns frei sein und erschaffen, was ihn so findet an Ideen.

Frei nach Picasso.



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